Kurz gesagt
RTO ist die Zeit, die ein System höchstens ausfallen darf. RPO ist die Menge an Daten, die höchstens verloren gehen darf, gemessen in Zeit seit der letzten Sicherung. Wer beides für jedes wichtige System festlegt, weiß, wie oft gesichert werden muss und wie schnell eine Wiederherstellung klappen muss.
Zwei Fragen statt Bauchgefühl
„Wir machen Backups“ klingt beruhigend, sagt aber wenig. Entscheidend sind zwei Fragen, die nur Sie als Betrieb beantworten können: Wie lange können wir ohne dieses System arbeiten? Und wie viel Arbeit dürfen wir verlieren? Aus den Antworten ergeben sich zwei Kennzahlen.
- RTO, Recovery Time Objective: die längste Ausfallzeit, die Sie hinnehmen können. Beispiel: Der Onlineshop darf höchstens vier Stunden stehen.
- RPO, Recovery Point Objective: der größte Datenverlust, den Sie hinnehmen können, gemessen als Zeit seit der letzten Sicherung. Beispiel: Wir dürfen höchstens die Bestellungen einer Stunde verlieren.
Was die Zahlen für Ihre Sicherung bedeuten
Das RPO bestimmt, wie oft gesichert werden muss. Wird einmal pro Nacht gesichert, können im schlimmsten Fall die Daten eines ganzen Arbeitstags fehlen. Darf höchstens eine Stunde verloren gehen, reicht eine nächtliche Sicherung nicht.
Das RTO bestimmt, wie schnell die Wiederherstellung gehen muss. Dazu gehört nicht nur das Zurückspielen der Daten, sondern alles davor und danach: den Fehler erkennen, jemanden erreichen, einen Ersatzserver bereitstellen, prüfen, ob alles wieder läuft.
So legen Sie die Werte fest
- Listen Sie Ihre wichtigsten Systeme auf: Website, Shop, E-Mail, Warenwirtschaft, Dateiablage.
- Fragen Sie für jedes: Was kostet uns eine Stunde Stillstand? Was kostet uns ein Tag verlorener Daten?
- Legen Sie daraus RTO und RPO fest. Nicht jedes System braucht die gleichen Werte.
- Vergleichen Sie mit dem Ist-Zustand: Wie oft wird gesichert, und wie lange hat die letzte Probe-Wiederherstellung gedauert?
Ein Beispiel
Ein Handwerksbetrieb stellt fest: Die Website darf einen Tag ausfallen, und die Änderungen der letzten Woche kann die Agentur nachtragen. Die Auftragsverwaltung dagegen braucht das Team jeden Morgen, und verlorene Aufträge sind teuer. Ergebnis: Für die Website reicht eine wöchentliche Sicherung, für die Auftragsverwaltung braucht es mehrmals täglich Sicherungen und einen geprobten Weg, sie innerhalb weniger Stunden wieder bereitzustellen.
Kosten und Nutzen abwägen
Je kürzer RTO und RPO, desto aufwendiger wird es: häufigere Sicherungen, mehr Speicher, ein vorbereiteter Ersatzserver. Die Kennzahlen helfen, dieses Geld gezielt dort auszugeben, wo ein Ausfall wirklich weh tut, statt überall gleich viel oder gleich wenig.
Hineingehören die Werte in Ihren IT-Notfallplan. Wie gute Sicherungen aufgebaut sind, steht unter Wie sichere ich meine Daten richtig?. Sind Daten bereits weg, hilft die Seite Daten weg.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Backup und Hochverfügbarkeit?
- Ein Backup hilft, Daten nach einem Verlust zurückzuholen, was Zeit kostet. Hochverfügbarkeit hält ein System durch doppelte Auslegung am Laufen, sodass ein Ausfall gar nicht erst bemerkt wird. Für die meisten kleinen Betriebe reichen gute Backups.
- Wie oft sollte ich eine Wiederherstellung proben?
- Mindestens einmal im Jahr für jedes wichtige System und nach größeren Änderungen. Nur so wissen Sie, ob Ihr RTO realistisch ist.
- Ist ein RPO von null möglich?
- Mit laufender Spiegelung der Daten an einen zweiten Ort kommt man nahe heran. Das ist aufwendig und lohnt sich nur, wo jede verlorene Minute teuer ist, etwa bei Zahlungen.